Alternspsychotherapie |
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Zum ThemaAufgrund der ablaufenden dramatischen demographischen Veränderungen liegt der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik mit insgesamt 18,4 Millionen heute bereits bei 22 %. Die derzeitige Lebenserwartung einer heute 60-jährigen Frau beträgt 23 - 24 Jahre und die eines 60-jährigen Mannes 19 - 20 Jahre.
Felduntersuchungen zur alterspsychiatrischen Morbidität gehen in den deutschsprachigen Ländern von einer Prävalenzrate von mindestens 11-12 % an neurotischen, psychoreaktiven und psychosomatischen Erkrankungen mit meist depressiver, aber auch phobischer und ängstlicher Symptomatik aus. Bei der Berliner Altersstudie fand sich 1995 allerdings schon eine Prävalenzrate depressiver Erkrankungen (einschließlich subklinischer, aber behandlungsrelevanter Ausprägungen) von 26,8 % bei den über 70-Jährigen, von denen ein großer Anteil ätiologisch diesen Krankheitsgruppen zuzuordnen ist. Bekanntlich dürfen Prävalenzraten nicht mit einem Versorgungsbedarf gleichgesetzt werden - diese Zahlen sprechen jedoch für einen erheblichen Bedarf an Psychotherapie (sowie an Beratung und Milieu-/Soziotherapie).
Zur Zeit besteht eine paradoxe Situation: Psychotherapie Älterer hat sich längst als möglich, notwendig und (auch katamnestisch belegt) langfristig erfolgreich erwiesen - für unterschiedliche Krankheitsgruppen mit unterschiedlichen Behandlungsformen nach unterschiedlichen theoretischen Konzepten. Dabei kommt dem chronologischen Alter nur relativ geringe Bedeutung zu. Bei allmählich ansteigender Nachfrage auf Seiten der Älteren werden jedoch insbesondere in der ambulanten Praxis, aber auch im stationären Bereich, kaum über 60-Jährige fachpsychotherapeutisch behandelt.
Diese Situation ist nicht nur durch die Skepsis gegenüber Psychotherapie bei Älteren zu erklären. Auch die Psychotherapeuten haben Schwierigkeiten, sich auf eine solche Behandlung einzulassen.
Die bestehende psychotherapeutische Aufgabe bei Älteren lautet: ihre Entwicklungsgeschichte zu kennen und sie unter Berücksichtigung ihrer psycho-bio-sozialen Gesamtsituation zu behandeln.
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